War „de guade oide Zeit“ besser? - Wandertag der Klassen 3/4 und 7

„Früher war alles besser!“ ist ein Satz, den die Kinder und Jugendlichen von heute oft aus dem Mund ihrer Großeltern hören. Ob diese Aussage der Tatsache entspricht, überprüften die Klassen 3/4 und 7 der Herzog-Georg-Schule an ihrem Wandertag, der sie in das „Nostalgie-Museum der 60er und 70er Jahre“ von Peter Brunner nach Loiching führte.
 
Ausgerüstet mit Brotzeit, Getränken und festen Schuhen machten sich die beiden Klassen mit ihren Lehrerinnen Pia Meilhammer und Ulrike Aust auf den Weg nach Loiching. Immer an der Isar entlang marschierten die Schüler bis zur Teisbacher Brücke, an der die erste Rast eingelegt wurde. Schnurstracks ging es weiter bis nach Loiching zur Kneipp-Anlage. Hier trauten sich einige ins kühle Nass und übten „Wassertreten“. Anschließend tobten sich alle im nahe gelegenen Bewegungspark aus und nutzen die Geräte, die der Stärkung der Muskulatur und zum Training der Körperkoordination dienen.
Zum Nostalgie-Museum war es von dort aus nur ein Katzensprung. Hier wurden die Schüler von Herrn Brunner und seiner Frau erwartet und begrüßt. Der Hausherr erklärte, dass die gesammelten Gegenstände aus der späten Nachkriegszeit und viele davon aus seiner eigenen Kindheit stammen und ihn auch an seine Jugend erinnern. So kann er zu jedem Ausstellungsstück eine persönliche Geschichte erzählen.
Zunächst durfte die Gruppe den Außenbereich erkunden. Die Schüler erlebten live, wie mit einem Rüttler in einem riesigen Kasten aus Holz, angetrieben durch einen alten Eicher-Traktor, früher das Getreide gedroschen und mühsam in Säcken abtransportiert werden musste. Außerdem gab es eine alte Schmiede und viele weitere landwirtschaftliche Geräte zu besichtigen. Die beiden Lehrerinnen durften in einer betagten Kutsche Platz nehmen, welche vor langer Zeit während des Loichinger Faschingszuges für das Prinzenpaar genutzt wurde.
Nun ging die Gruppe ins Innere der Halle. Hier bewunderten die Schüler zuerst die gesammelten Motorräder und Autos. Besonders beeindruckte ein Goggomobil, mit welchem Peter Brunner mit seiner Frau über 2500 km durch Marokko fuhr. In einem Fotoalbum zeigte Herr Brunner den Schülern, wie er sieben Jahre lang ein altes, verrostetes Glas Cabriolet mit großer Leidenschaft restauriert hatte. Schön fanden die Kinder auch einen knallroten 500er Fiat und einen blauen VW Käfer mit uralten Skiern im Skiständer. Ein betagter Wohnwagen und das dazugehörige Zelt wurden von einigen sofort ausprobiert. In einer kleinen Dorfwerkstatt steht ein kaputtes Goggo zur Reparatur bereit. An einer Wandtafel hängt geordnet unzähliges, altes Werkzeug und die Schüler durften mit verschieden starken Handbohrern versuchen, ein Brett zu durchbohren. Sie merkten, dass dies gar nicht so einfach war. Weiterhin stellten die Kinder an zwei Tanksäulen fest, dass die Autos vor 50 Jahren nicht im „self-service“, sondern von einem Tankwart befüllt wurden. In einem alten Kramerladen fanden sich neben vielen Waren aus der Zeit eine Registrierkasse, mehrere Illustrierte und eine Ladentheke, die ehemals in einem Dingolfinger Fischgeschäft stand. An alten Fotoapparaten, Telefonen  und Schreibmaschinen vorbei, führte der Weg in den sogenannten „Coca Cola Raum“, in dem viele Accessoires, unter anderem etwa 450 kleine Autos dieser Firma stehen. Ein Flipperkasten, ein Billard-Tisch und eine Musikbox mit Singles aus der Rock‘n Roll Zeit funktionieren noch. Anschließend folgten die interessierten Schülerinnen und Schüler ihrem „Museumsführer“ in den ersten Stock, in dem sich eine komplett eingerichtete Wohnung befindet. Im Bad bestaunten die Schüler eine Stampf-Waschmaschine aus Blech und eine alte Schleuder, welche einmal 230 DM in einem Dingolfinger Elektrogeschäft gekostet hatte. In der Küche gab es einen Kuchenbackapparat zu entdecken. Auch ein Kinderwagen, eine Spielzeugnähmaschine und ein Kaufladen aus Frau Brunners Kindheit waren eine Attraktion. Das Wohnzimmer ist bestückt mit Unterhaltungselektronik der damaligen Zeit, nämlich einer Radio-Platten-Kombination im Holzschrank, einem alten Tonbandgerät und einem wuchtigen Röhrenfernseher. Eine Frisierkommode einer bekannten Dingolfinger Möbelschreinerei nebst passenden Betten und ein Heimtrainer, ohne jegliche Hightech-Funktion, erwarteten die Besucher im Schlafzimmer. Voller Eindrücke und interessiertem Staunen verließen die Klassen das Gebäude.
Zum Schluss bedankten sich die Lehrerinnen bei Herrn Brunner mit einem Boxbeutel aus dem Jahre 1967 und einer Flasche Rotwein von 1970, die noch in seinem Tante-Emma-Laden fehlten, für die abwechslungsreiche und beeindruckende Führung. Beim Besichtigen konnte man deutlich spüren, dass Herr Brunner sein Museum mit Enthusiasmus, enorm großem Zeitaufwand und viel Liebe zum Detail gestaltet hat. Durch seine Sammelleidenschaft und auch sicher durch großen finanziellen Einsatz hat er es geschafft, viele Dinge vor dem Sperrmüll zu retten, für spätere Generationen zu bewahren und deren Interesse für Zeitgeschichte zu wecken. 
Die Gruppe wanderte, mit einem Eis belohnt, wieder los zur Bushaltestelle, von wo sie mit dem Stadtbus zurück nach Dingolfing fuhren.
Am nächsten Tag bewiesen die Schülerinnen und Schüler bei einem Quiz, dass sie sich von dem Gesehenen und Gehörten sehr viel gemerkt hatten. Abschließend stellten alle fest, dass Oma und Opa sicher Recht haben, wenn sie „de guade oide Zeit“ als ruhiger und beschaulicher, aber auch als mühsamer und beschwerlicher beschreiben. Auf die revolutionäre Technik von heute möchten die Schüler, aber auch die Großeltern daher sicher nicht mehr verzichten.